Langeoog 1998 - Der Anfang
Das 1. Jahr unseres Inselkollers. Zusammen mit dem Vorstand des BW Merzen suchten wir das schmucke Inselchen heim. Zunächst mal eine kleine Teilnehmerliste: Schrödie, Stefan K., Andre K., Sepp T., Kemmchen, Wösty, Strumpel & Vollo.

Am Freitag vor Pfingsten gings früh am Morgen los. Mit der ganzen Truppe quetschten wir uns in den Vereinsbulli. Nach einer mehrstündigen Fahrzeit erreichten wir Dornumer Siel. Von hier aus ließen wir uns durch den Kutterkapitän R. zur Insel übersetzen. R.´s Schiff kann man übrigens neben der Passage nach Langeoog auch zum Hochseefischen chartern. Eine gute halbe Stunde später legten wir an und wurden sofort verhaftet. War nur Spaß. Am Hafen erwartete uns schon ein Inselbauer, der sich nebenbei ein Zubrot als Transporteur von Gepäck ins Zeltlager verdiente. Das Lager liegt nämlich knapp 2 - 3 Kilometer von Hafen und Ortschaft entfernt. Der Vorstand (eigentlich war es nur eine Abordnung des Vorstandes) war mit Kind und Kegel angereist und plante zuerst eine Stadtbesichtigung, um anschließend per geleasten Fahrrädern ins Lager zu radeln. Nix für uns. Übrigens sind Luftverpester, sprich Autos auf der Insel mit wenigen Ausnahmen rechtskräftig verboten. Die Ausnahmen sind ein Krankenwagen und ein paar Trecker für die örtliche Bauernschaft. Abgesehen davon gibt es nur Elektrokarren, Fahrräder und Pferde. Pferde allerdings gibt es im Überfluss und ihre Hinterlassenschaft findet man Allerorten. Uns erwartete nun also ein 3 km-Fußmarsch quer durch die Landschaft. Glücklicherweise bot der Gepäckfahrer an, uns mitzunehmen. Also machten wir es uns auf seinem Anhänger zwischen dem Gepäck gemütlich. Gut eine halbe Stunde knatterten wir mit ihm und seinem Seelenverkäufer über die Inselwege und konnten die Wunder der Natur genießen, die sich uns boten. Im Lager angekommen, machten wir es uns erst mal bequem. Dieses oft erwähnte Lager besteht aus folgenden Komponenten: Zuerst mal 3 feststehende Gebäude. Eins enthält die sanitären Anlagen und die Wohnung des Hausmeisters, während das Zweite die Küche sowie die Unterkünfte vom Lagerleiter und seinen Angestellten beherbergt. In Haus Nr. 3 schließlich befindet sich der allgemeine Speisesaal. Dazu kommen dutzende kleine Rundzelte, die jeweils 3 - 4 Mann Platz bieten und in einem zum Esssaal hin offenen Halbkreis aufgestellt sind. Außerdem gibt es dann noch vier große Betreuerzelte und ein paar Ferienhütten aus Holz. Alle Jahre wieder reisen dort dieselben Gruppen an. Man kennt sich untereinander und ist sich gewogen. Unter anderem gehört eine Truppe von Turnerinnen aus Gerden bei Hannover zu den Dauergästen. Diese Truppe besteht aus einer Horde junger Mädchen, überwiegend zwischen 6 und 13 Jahren alt. Nur zwei von ihnen waren in unserem Alter. Dem scharfem Kennerblick von Sepp T. blieben sie auch nicht lange verborgen. Okay, eigentlich waren es sogar drei. Die 3. im Bunde ließ sich aber nie bei uns sehen und soll deshalb hier auch keine weitere Erwähnung finden. Noch am selben Abend requirierten wir uns einige Fahrräder (alte klapprige Damenräder, die aber abgingen wie Schmidts Katze mit Nachbars Lumpi auf den Fersen), fuhren samt Mädels in den Ort und suchten die erstbeste Pinte auf, um einen oder auch zwei zu heben. Der Laden den wir fanden, war eine Mischung aus Tante Emma-Shop, Fahrradverleih und Kneipe. Vorbildlicher Weise hält man sich auf der Insel streng ans Jugendschutzgesetz, was für uns nun eher ungelegen kam. Da wir zum Teil noch unter 16 waren, wollte man uns kein Bier verkaufen. Zum Glück gelang es uns schließlich doch einige Tassen Hopfenblütentee zu erstehen. Wösti fragte beim Kneipier vorsichtig an, ob er den auch Sangria im Sortiment habe. Der Bauer stand damals total auf das Zeug. War aber Fehlanzeige.
An besagtem Abend trieben wir uns nach verlassen der Lokalität noch etwas im Ort herum, wo aber nix los war. Also kehrten wir bald ins Camp zurück. - Am nächsten Tag gingen wir das 1. und letzte Mal schwimmen. Nebenbei warfen wir den seinerzeit amtierenden BW-Präsi Hubi ins Wasser, ohne zu ahnen, dass er in der Tasche seiner Badebuchse eine Geldbörse mit 600 DM in kleinen gebrauchten Scheinen (Gangsterfachjargon) versteckt hielt. Diese Scheine erhielten nun eine Gratiswäsche und mussten anschließend raus gefischt und getrocknet werden. Unser Präsi nahm´s mit Humor. – Tagsüber hielten wir uns meist am Strand auf oder sahen uns im Ort um.

Gegen Abend, bis es dunkel wurde, waren wir dann wieder am Strand und spielten Rugby oder betrieben andere Sportarten. Nach diesem Schema verfuhren wir nahezu tagtäglich. - Am Samstagabend heizten wir mit den beschlagnahmten Drahteseln in den Ort, um auf den Putz zu hauen. Allerdings geht es im Langeooger Nachtleben eher ruhig und beschaulich zu. Während wir uns treiben ließen, gelangten wir schließlich an einen kleinen Spielplatz, der zum lokalen Sportplatz gehörte. Es wimmelte quasi nur so vor Plätzen. Wie es der Zufall wollte, fand gerade das jährliche Sportfest mit Zelt und DJ statt. Umgehend stürmten wir das Festzelt und zechten nach alt väterlicher Sitte bis die Lichter ausgingen. Anschließend ging´s zurück ins Lager. - Sonntag hatten wir wie meistens recht gutes Wetter, wenn auch eine steife Brise wehte. Nach dem Mittagessen wurde unser Haufen zum Arbeitsdienst abkommandiert. Das Essen im Lager ist nebenbei erwähnt ganz okay. Nachmittags hatten wir dann ein Freundschaftsspiel gegen die Volleyballcrew des TSV Langeoog. Wir gaben natürlich unser Bestes, mussten uns den erfahrenen Outdoor-Playern aber letztendlich geschlagen geben. - Traditionell findet am Sonntagabend der so genannte „Bunte Abend“ statt, wo jede Gruppe eine Darbietung ihres Könnens geben und etwas aufführen kann, um die anderen zu unterhalten. Auch wir überlegten uns, irgendwas vor zuspielen. Wösti schlug vor, den alten „Jetzt macht doch mal nen Kreis“-Witz schauspielerisch darzustellen. Schnell verwarfen wir diesen Gedanken nach anfänglicher Begeisterung wieder, da uns die Nummer dann doch nicht seriös genug erschien für ein Jugendlager. Also musste eine andere Idee her. Wir kamen zu dem Entschluss, ein Lied zu verbrechen. Die passende Melodie war auch bald gefunden. Inspiriert durch JBO, nach zuviel Bier und zu wenig Schlaf, entschieden wir uns für eine Aufarbeitung des Klassikers „Sag mal von wo kommt Ihr denn her?“ Während des 3 km Marsches zurück ins Camp nach unser vernichtenden Niederlage gegen unsere Volleyball-Kollegen, dichteten wir also den größten Hit aller Unzeiten. Was dabei rauskam, möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Sag mal von wo kommt Ihr den her? - Na aus Merzen bitte sehr. - Sehen da alle so aus wie Ihr? - Nein, so Muskeln ham nur wir. - Guckt Ihr auch durch ein Schlüsselloch? - Ja, wir spannern immer noch. - Warum seid denn Ihr so blau? - Weil wir saufen wie die Sau. - Was macht Ihr in Eurem Suff? - Wir marschieren in den Puff. - Übt Ihr auch ne Sportart aus? - Neben Suff und Freudenhaus? - Habt Ihr eigentlich einen Knall? - Nein/Ja, wir spielen Volleyball.“ Mal ehrlich, ist das nicht ein Hammer-Song? Fanden wir auch. Trotzdem hatten sich unsere Prioritäten als wir im Lager ankamen erneut verschoben. Unsere Pläne sahen nun vor, den vielfarbigen Abend zu kippen und gleich nach dem Dinner (kultiviert ausgedrückt für Abendessen) zum Sportfest zu marschieren. Aber es sollte wieder einmal anders kommen. Der Lagerleiter bat darum, dass wir die musikalische Untermalung der Kinderdisco nach dem Bunten Abend leiten. Sein Antrag wurde durch unseren Vorstand unterstützt, also hatten wir keine Wahl. Sepp und Strumpel übernahmen diese ehrenvolle Aufgabe. Zunächst galt es, die Lager-eigene Anlage aufzubauen, was nicht ganz einfach war. Schließlich konnte es losgehen. Übrigens besteht so eine Art Austauschprogramm zwischen dem Lager und Japan. In diesem Jahr sollte eine Truppe aus Germanien gen Nippon reisen und nutzte den BA für eine kleine Darbietung. Gegen 22 Uhr waren wir dann endlich auf dem Festzelt angekommen und machten dort weiter, wo wir am Vorabend aufgehört hatten. Viel war zwar nicht los, aber wir hatten unseren Spaß und feierten derbe ab. Unsere Damenbekanntschaft aus dem Lager gesellte sich ebenfalls dazu. Aus heiterem Himmel fragte uns die eine von ihnen nach nem Messer. Wösti hatte ein Taschenmesser dabei und gab es ihr. Ehe wir uns versahen, säbelte sie schon an ihren Pulsadern herum. Es ist aber nix passiert. Damit habe ich die Höhepunkte des Abends allerdings auch schon ausgeschöpft und springe direkt zum Montagnachmittag. Es war unser letzter vollständiger Tag hier, also wollten wir es noch mal ordentlich krachen lassen. So kam es, dass wir in den Ort marschierten um Bier einzukaufen. Dies taten wir in unserer Stammkneipe. Dort strapazierten wir die Gemüter, indem wir ein zum Fuhrpark gehörendes 6- oder 8-Personen-Kettcar zu diversen Testfahrten entführten und schlussendlich doch nicht mieteten. Fand der AvD (Angestellte vom Dienst) nicht besonders witzig. Schließlich schafften wir es, einen Haufen 0,5 Liter-Dosen Holsten Pils zu erstehen, sowie ne Pulle Sekt. So bewehrt zockelten wir zurück. Kurz vorm Lager versteckten wir unsere Schätze im Busch. Ging ja schließlich nicht jeden an, was wir da ran schleppten. Als es dunkel wurde, schlichen wir zu unserem Alk-Versteck und machten uns mit dem Stoff auf zum Strand. Dort legten wir uns in die Dünen und es begann ein feucht-fröhliches Zechgelage wie es im Buche steht. Die Damen waren übrigens auch wieder dabei und schnorrten sich bei uns durch. Das kurz darauf einsetzende Dosenstechen führte schnell zur akuten und anhaltenden Vollrauscherscheinungen. In Anlehnung an dieses First-Class-Besäufnis und die Wahl der Waffen berücksichtigend, ersannen unsere Trainer Steve und Gregg The Beautywonder, der Mann mit dem Astralkörper später den Kampfnamen „Holsten Heroes“. Noch heute tragen wir mit Stolz diesen Namen, obwohl wir jene Gerstensaftmarke eigentlich gar nicht besonders mögen. Dennoch: Holsten knallt am dollsten. – Am nächsten Morgen standen wir früh auf, da wir unseren Krempel packen und die Zelte ausmisten mussten. Der Gepäckabholer war zeitig da, um unser Zeug, das des Vorstandes und das der Gerdener abzuholen. Der Vorstand wurde per Pferdekutsche zum Hafen bugsiert und nahm uns freundlicher Weise mit. Am Hafen angekommen, hieß es Gepäck ausladen. Anschließend gammelten wir ca. eine ¾ Stunde an der Anlegestelle rum, bis Käpt´n R. endlich erschien. Das Gepäck wurde im Kutter verstaut und dann legten wir ab. Nur das Ehepaar K. blieb noch ein paar Tage länger hier und stand winkend am Steg. Langsam aber sicher entschwand die schmucke Ferieninsel, die in den vergangenen Tagen unser Zuhause gewesen war, unseren Blicken. Mit uns wurden auch die Gerdener übergesetzt. Wieder in Dornumer Siel, hieß es erneut Gepäck ausladen. Dann wurden die Autos herangeschafft, die Sachen verstaut und die Plätze eingenommen. Am späten Vormittag brachen wir auf und kamen dann am frühen Nachmittag glücklich, wenn auch leicht erschöpft und reich an neuen Eindrücken in unserem geliebten Heimatdorf Merzen an. Man blieb noch auf einen kurzen Plausch zusammen und trennte sich dann langsam.

Dies war also der Tatsachenbericht unseres ersten Langeoogtrips. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Mitgliedern des Vorstandes bedanken, die uns mit ihren Familien auf dieser Reise begleitet haben. Sie waren immer locker und fröhlich, streng nur wenn es nötig war und standen falls erforderlich, immer mir Rat und Tat zur Seite. Für die Doppelkopfspieler unter uns war der Präsi ein guter Spielpartner, der genau wusste, wann er „Röckchen hoch! Das ist doch hier nicht die Possibility.“ sagen musste. Besonderer Dank gebührt natürlich Berny, der diese Fahrt für uns überhaupt erst möglich gemacht hat, der ein alter Langeoogveteran und auch sonst ein brauchbarer Kerl ist. Wir danken Dir Berny und allen anderen, für 5 tolle Tage, an die wir immer gerne zurückdenken werden.
So, habe fertig
Han Vollo